Equalizer

Klark Teknik DN30/30 EqualizerEqualizer sind in geübter Hand ein Wunderwerkzeug. Man kann mit ihnen so manches Sound-Problem beheben - ob matschige Bässe, schlecht verständliche Stimmen, fehlende Brillianz, Feedback-Probleme usw. usw.

Allerdings erfordert EQing erhebliche Erfahrung. Nicht umsonst würden es die meisten Tonleute als Königsklassse des Mischens bezeichnen.

Hier will ich Euch die Funktionsweise und die Hintergründe von Equalizern erklären und Euch somit das nötige Know How liefern, um Euch dieses Wunderwerkzeug selber zu nutze machen zu können.

Hinweis : Die hier genannten Werte habe ich alle, der Sicherheit halber, in einschlägiger Fachliteratur überprüft. Weil aber jeder, der schon mal an einem Pult gestanden hat weiß, daß sehr viele Faktoren Einfluss auf den Sound haben (z.B. : das Pult, das Outboard-Equipment, das Instrument selber, die Akustik des Raumes, die Technik des Instrumentalisten, usw, usw.), werde ich nur Frequenzbereiche nennen, die ein bestimmtes Charakteristikum enthalten.
Welche der Frequenzen in diesem Bereich nämlich genau welchen Effekt im Mix hat, kann man nur vor Ort in der konkreten Situation herausfinden.

Nehmt also diese Frequenzbereiche als Richtschnüre für Euren Mix und versteht sie nicht nach dem Motto : "Dreh´die Frequenz XY hoch, und dann klingt es toll."

 

Inhalt

  1. grobe Übersicht der Frequenzbereiche
  2. wichtigste Arten von Equalizern
    2.1.   Equalizer mit fixen Frequenzbändern
    2.2.   Equalizer mit variablen Frequenzbändern (semi- / vollparametrische Equalizer)
  3. wichtige Frequenzen des Schlagzeugs
    3.1.   Bass Drum
    3.2.   Snare Drum
    3.3.   Hihat

 

1. grobe Übersicht der Frequenzbereiche

Der für Tontechnik relevante Bereich deckt ein riesiges Frequenzspektrum (~ 16Hz - 16 kHz) ab. Um das Equalizing an sich besser überblicken zu können, möchte ich hier zuerst einen groben Überblick liefern, der Euch zeigt, was sich in welchem Bereich abspielt.

  • Brillianz (~ 6 KhZ - 16kHz)
    Zwischen 6 und 16kHz kann man die Brillianz des Sound kontrollieren. Eine gute Portion dieser Frequenzen erhöht die Klarheit des Sounds. Zu viel Betonung (irgendwo zwischen 6,3 und 8 KHz) kann die Zischlaute der menschlichen Sprache ("s", "ß", ...) unangenehm hervortreten lassen.
  • Präsenz (~ 4 kHz - 6 kHz)
    Beeinflusst die Klarheit/Präsenz der Instrumente und der Sprache/des Gesanges.
  • hohe Mitten (~ 2 kHz - 4 kHz)
    In den hohen Mitten finden sich die meistens Frequenzen, die mit Sprachverstädlichkeit der Stimmen und mit Durchsetzungsfähigkeit der Instrumente zu tun haben.
  • tiefe Mitten (~ 250 Hz - 2 kHz)
    Die tiefen Mitten sind oft dafür verantwortlich, daß der Sound (eines Instrumentes / einer Stimme) oder der Gesamtmix hohl klingen. Wenn der Mix klingt, als würde er durch ein Telefon übertragen, lohnt sich ein Blick auf diesen Frequenzbereich.
  • Bass (~ 60 - 250 Hz)
    In diesem Bereich befinden sich unter anderem die tiefen Frequenzen des e-Bass und der Bass Drum. Dieser Bereich ist also wichtig für Eure Rhythmus-Sektion. Zu wenig dieser Frequenzen macht Euren Mix "dünn".
  • Sub Bass (~ 16 - 60 Hz)
    Der Sub Bass ist der Teil der Bässe, der eigentlich mehr gefühlt als gehört wird. Ein gutes Maß dieser Frequenzen im Mix lässt ihn mächtig und kraftvoll erscheinen. Zu viel dieser Frequenzen und er klingt matschig.

 

2. wichtigste Arten von Equalizern

Hier will ich kurz die wichtigsten Arten von Equalizern und ihre besonderen Merkmale nennen. Dabei beschränke ich mich auf die gebräuchlichsten - eben jene die im Live oder Studio-Alltag ständig gebraucht werden, und somit wohl im jedem Rack oder an jedem Pult auftauchen dürften.

 

2.1 Equalizer mit fixen FrequenzbändernBedienpanel eines Klark Teknik DN 30/30

Bei diesen ist eine bestimmte Anzahl von Frequenzbändern vom Hersteller vorgegeben. Sie teilen durch eine Reihe von Filtern das Eingangssignal in die verschiedenen Bänder auf, geben dem Nutzer die Möglichkeit der Einflußnahme und rekombinieren sie anschließend wieder zu einem Ausgangssignal.

Die wohl bekanntesten Vertreter dieser Gattung sind die grafischen Equalizer (wie etwas der auf dem rechten Bild zu sehende Klark Teknik DS30/30 (grafischer 1/3 Oktav-EQ).

Die "International Standards Organisation" hat Frequenzen festgelegt, die ein Multiband EQ besitzen sollte. Da sich wohl die meisten Hersteller an diese ISO Norm halten, sind die Frequenzbänder meist annähernd gleich.

Wie Ihr seht, unterschieden sich die u.g. Modelle lediglich darin, daß manche 31 Hz andere 31,5 Hz bearbeiten lassen. Der Rest ist identisch.
Die Tatsache, daß manche 1/3-Oktav-Equalizer 27, andere 30 und wieder andere 31 Regler haben, begründet sich dadurch, daß bei einigen Geräten ein oder mehrer der tiefsten Frequenzbänder weg gelassen werden.

 

Gegenüberstellung der Frequenzbänder einiger gängiger Multiband-Equalizer mit Fix-Frequenzen

   Modell
Band

Klark Teknik
DS 30/30

Klark Teknik
Square One

DBX 231,
DBX 1231,

BSS FCS 906
Behringer
FBQ3102
1 - - 20 Hz - 20 Hz
2 25 Hz 25 Hz 25 Hz 25 Hz

25 Hz

3 31 Hz 31,5 Hz 31,5 Hz 31 Hz 31,5 Hz
4 40 Hz 40 Hz 40 Hz 40 Hz 40 Hz
5 50 Hz 50 Hz 50 Hz 50 Hz 50 Hz
6 63 Hz 63 Hz 63 Hz 63 Hz 63 Hz
7 80 Hz 80 Hz 80 Hz 80 Hz 80 Hz
8 100 Hz 100 Hz 100 Hz 100 Hz 100 Hz
9 125 Hz 125 Hz 125 Hz 125 Hz 125 Hz
10 180 Hz 180 Hz 160 Hz 160 Hz 160 Hz
11 200 Hz 200 Hz 200 Hz 200 Hz 200 Hz
12 250 Hz 250 Hz 250 Hz 250 Hz 250 Hz
13 315 Hz 315 Hz 315 Hz 315 Hz 315 Hz
14 400 Hz 400 Hz 400 Hz 400 Hz 400 Hz
15 500 Hz 500 Hz 500 Hz 500 Hz 500 Hz
16 630 Hz 630 Hz 630 Hz 630 Hz 630 Hz
17 800 Hz 800 Hz 800 Hz 800 Hz 800 Hz
18 1 kHz 1 kHz 1 kHz 1 kHz 1 kHz
19 1,25 kHz 1,25 kHz 1,25 kHz 1,25 kHz 1,25 kHz
20 1,6 kHz 1,6 kHz 1,6 kHz 1,6 kHz 1,6 kHz
21 2 kHz 2 kHz 2 kHz 2 kHz 2 kHz
22 2,5 kHz 2,5 kHz 2,5 kHz 2,5 kHz 2,5 kHz
23 3,15 kHz 3,15 kHz 3,15 kHz 3,15 kHz 3,15 kHz
24 4 kHz 4 kHz 4 kHz 4 kHz 4 kHz
25 5 kHz 5 kHz 5 kHz 5 kHz 5 kHz
26 6,3 kHz 6,3 kHz 6,3 kHz 6,3 kHz 6,3 kHz
27 8 kHz 8 kHz 8 kHz 8 kHz 8 kHz
28 10 kHz 10 kHz 10 kHz 10 kHz 10 kHz
29 12,5 kHz 12,5 kHz 12,5 kHz 12,5 kHz 12,5 kHz
30 16 kHz 16 kHz 16 kHz 16 kHz 16 kHz
31 20 kHz 20 kHz 20 kHz 20 kHz 20 kHz




2.2 Equalizer mit variablen Frequenzbändern (semi- / vollparametrische Equalizer)

Die diese Art von Equalizern die gebräuchliche in höherwertigen Mischpulten ist, habe ich dort auch schon einige grundlegend Erklärungen geliefert. Hier noch mal das wichtigste über semi- / vollparametrische Equalizer :

Sie besitzen normalerweise 2 (semi-Parametrik) bzw. 3 (voll-Parametrik) Regler :

  • Frequenz (frequency)
    Hier wählt man die Frequenz (das Frequenzband) aus, welches reguliert werden soll.
  • cut/boost
    Wie der Name schon sagt, regelt man hiermit, ob und wie viel die gewählte Frequenz (das gewählte Frequenzband) gecuttet oder geboostet werden soll.
  • Bandbreite (je nach Hersteller 'Q' oder 'bandwidth')
    Hier wird geregelt, inwiefern  (meist in Oktaven angegeben) die um die gewählte Frequenz liegenden Frequenzen mit beeinflußt werden.

 

3. wichtige Frequenzen des Schlagzeugs

Auch wenn die Begriffe auf manchen etwas befremdlich wirken könnten, verwende ich hier die der Fachliteratur und in der 'Technikersprache' gebräuchlichen Ausdrücke, um die Frequenzbänder und deren Charakteristiken zu beschreiben.
Falls sie Euch nichts sagen sollten, nehmt Euch die Zeit und probiert das ganze mal mit Eurem Set und einem EQ aus. Dann werdet ihr schnell herausfinden, welche Klangeigenschaft sich hinter welchem Wort verbirgt.

 

3.1 Bass Drum

  • 40 - 100 Hz - 'thump' (= fetter, druckvoller Bass)
  • 80 - 120 Hz - 'boom' (Ist der Bereich der Bässe in dem sich das befindet, was man wohl den "Rumms" an der Bass Drum nennen könnte.)
  • 250 - 630 Hz - 'hollowness' (reguliert den pappigen, hohlen Anteil des Sounds)
  • 2 - 5 kHz -'click', 'crack', 'kick'

 

3.2 Snare Drum

  • 120 - 250 Hz - 'fatness', 'depth' (Hier regelt man das tiefe Fundament der Snare und kann sie schööööön fett machen.)
  • 900 Hz - 3 kHz - 'bang' (reguliert den 'Knall', also das Hauptcharakteristikum der Snare.)
  • 3 - 6 kHz - 'bite', 'crispness' (Klingt die Snare langweilig? Dann dreht hier und sie wird schön bissig und durchsetzungsfähig)
  • 4 - 10 kHz - irgendwo hier liegt des 'snap' des Snare Teppiches.

 

3.3 Becken / HiHat

  • 800 Hz - 3 kHz - reguliert den blechernen, 'plärrigen' Apsekt des Beckensounds. Ein cut um wenige dB kann hier Wunder wirken.
  • 3 - 8 kHz - 'crash' (enthält auch bei ca. 4 kHz die Stick-/Schlaggeräusche)
  • 8 kHz und aufwärts - enthält die Brillianz der Becken.