In-Ear Monitoring (IEM)

In-Ear Monitoring - Ohrhörer


Bei fast jedem Top-Akt ob im Fernsehen oder Live (vorausgesetzt man steht nahe genug an der Bühne oder es gibt eine Projektionsleinwand) kann man es beobachten :

Die Musiker haben ein Kabel aus dem Ohr hängen. Wer es nicht schon weiß, wird es nachdem er dies hier gelesen hat wissen :

Es handelt sich um ein In-Ear Monitoring System.

 

 

 

 

 

 

Inhalt

  1. Grundlagen des Monitoring
  2. Monitoring mit Boxen
    2.1.   Nachteile des Monitoring mit Boxen
  3. In-Ear Monitoring
    3.1.   Vorteile von In-Ear-Monitoring
    3.2.   Nachteile des In-Ear Monitoring
  4. In-Ear Monitoring Zubehör
    4.1.   Bass Shaker
  5. Sparvariante für Drummer mit dünnem Geldbeutel
  6. Mein Fazit zum In-Ear Monitoring

 

1. Grundlagen des Monitoring

Bevor ich speziell auf das In-Ear-Monitoring eingehe, will ich erst mal flott für die nicht bühnenerfahrenen unter uns erläutern was Monitoring überhaupt ist.

Auf großen oder lauten Bühnen stellt sich dem Musiker immer eine Problem. Steht der Bassist z.B. mit seinem Amp direkt neben dem Drummer, so hört der vermutlich schön viel Bass. Dies ist prinzipiell schon mal ganz gut. Was aber, wenn der Drummer in bestimmten Passagen den Gitarristen hören möchte, dessen Verstärker 10 m entfernt steht, um sich im Stück zu orientieren? Ganz besonderns problematisch ist es beim Gesang. Dieser ist von Natur aus im Vergleich zu den restlichen Instrumenten, und besonders dem Schlagzeug, sehr leise. Ohne entsprechende Mittel würde der Schlagzeuger rein gar nichs davon hören.

 

2. Monitoring mit Boxen

Im einfachsten Fall gibt also der Mann am Mischpult die einzelnen Signale über seine AUX-Wege auf eine Bühnenanlage (=Monitoranlage). In dieser Anlage ist für jeden der Musiker mindestens eine Box vorgesehen, die genau auf ihn gerichtet ist. Hier kann er sich dann alle Instrumente die er benötigt, in der nötigen Lautstärke hörbar machen lassen.
Bei großen, professionellen Produktionen wird sogar noch mehr Aufwand getrieben. Hier werden die verschiedenen Signale ehe sie auf das Front Pult geschickt werden aktiv gesplittet (=zweigeteilt). Ein Signal geht dann zum FOH Techniker, das andere zu einem extra Mischpult (das meist am Bühnenrand steht) mit einem extra Tonmann, der nur für den Monitromix zuständig ist.

In beiden der Fälle ist das Ziel des Monitoring erreicht : Jeder der Musiker bekommt die Instrumente die er hören möchte in einem individuellen Mix auf seine persönliche Box geschickt. So kann jeder jeden hören - wenn er denn möchte.


2.1. Nachteile des Monitoring mit Boxen

  1. Es entsteht ein hoher Transportaufwand für die Boxen und die natürlich benötigten extra Endstufen.
  2. Wenn auch für die Band nicht wirklich von Bedeutung : die zusätzliche Endstufen-Power kostet ne Menge Strom.
  3. Auf der Bühne herrscht durch die Monitoranlage ein hoher Geräuschpegel, was unter Umständen dem FOH-Techniker Probleme bereiten kann, einen vernünftigen Front-Sound zu mischen, da die Monitore in die Mikros streuen.
  4. Der hohe Lärmpegel kann auch dem ohnehin schon belasteten Musiker-Gehör zu schaffen machen.
  5. Evtl. kann es auf beengten Bühnen zu Platzmangel kommen.
  6. Die Monitorspeaker lassen kleine Bühnen oft zugemüllt aussehen.
  7. Steht einer der Musiker auf brutal lauten Monitor Sound, kann es sein, daß er damit die anderen belästigt.



3. In-Ear Monitoring

Bei diesen Nachteilen versucht das In-Ear-Monitoring anzusetzen.
Das Herzstück eines jeden In-Ear Systems sind die Ohrhörer. Hier gibt es verschiedene Varianten. Die "günstigen" Systeme sind vergleichbar mit den berühmten Gehörschutz-Tannenbäumchen. Also ein schließender "Stöpsel", der den Umgebungsschall je nach Modell um < 10 db bist über 20 db absenkt. Profis aber schwören wohl zum Großteil auf plastische Ohrstücke. Diese werden vom Spezialisten exakt auf den Gehörgang des Musikers abgestimmt. Hierzu wird ein Abdruck des Ohrs angefertigt und daraus der spätere Ohrhörer gefertigt. Vorteil dieser wesentlich teureren Lösung ist der bessere Tragekomfort und die bessere Dämpfung des Außenschalls.
In das Ohrteil eingebaut ist ein sehr leistungsfähiger und qualitativ sehr hochwertiger Mini-Lautsprecher. Dieser ersetzt die Monitorbox. Diese unterscheiden sich in der Übertragungstechnik. Es gibt Ein-, Zwei und sogar Dreiwegesysteme. Je mehr Wege desto höherwertiger das Klangbild.
Das Monitorsignal wird, egal ob es vom AUX des FOH-Pultes oder vom separaten Monitorpult kommt, im Normalfall an einen Funküberträger geschickt. Dieser sendet es an das Beltpack des Musikers von wo aus es per Kabel an das Ohrteil geht.

3.1. Vorteile von In-Ear-Monitoring

  1. Die Schalldämpfung schont (natürlich nur bei leisem Betrieb des IEM) das Gehör des Musikers.
  2. IEM Systeme sind sehr kompakt. Als Folge ist wesentlich weniger an Gewicht (Monitorboxen, Endstufen zu schleppen).
  3. IEM sorgt für eine sehr leise Bühne. Der FOH-Techniker ist nicht ständig damit beschäftigt, die Gefahren von in Mikros brüllenden Monitoren auszumerzen.
  4. Gilt für Drummer der ortsgebundenheit wegen nur eingeschränkt : Bei Funk-basierten IEMs hat der Musiker an jeder Stelle der Bühne seinen individuellen Monitorsound zur Verfügung. -> Bewegungsfreiheit
  5. Gute IEMs haben schon bei geringeren, besonders aber bei höheren Lautstärken ein wesentlich differenzierteres Klangbild als herkömmliche Monitorboxen.
  6. Die Bühne sieht einfach besser, weil leerer, aus.
  7. Der Monitor-Techniker hat es wesentlich einfacher, weil die Akustik des Raums nur noch sehr wenig Einfluß auf den Monitorsound hat.

 

3.2. Nachteile des In-Ear Monitoring

  1. Durch den stets gleichbleibenden Klangeindruck ist eine räumlich Orientierung auf der Bühne anhand des Sounds nicht mehr möglich.
  2. Bei Sängern oder Blasinstrument-Spielern kann es aufgrund der veränderten Akustik des Kopfes (nein, das ist kein Scherz, man merkt das schon beim sprechen mit IEM im Ohr) zu einem verfälschten Eindruck der Stimme / des Instruments kommen.
  3. An Drummer und Basser : Wegen der kleinen Bauart der Ohrhörer können diese logischerweise nur eingeschränkt Bass übertragen. Manch einer empfindet IEM Sound als drucklos im Vergleich zu einem Monitorstack.
  4. Der Bühnensound wirkt wegen der Umgebungsschalldämpfung steriler. Manchem Musiker fehlen die Nebengeräusche der anderen Instrumente. Hat man aber einen Mixer mit Einsehen, so stellt dieser zwei oder mehr Ambience Mikrofone auf die Bühne. Diese nehmen dann den Gesamtsound der Bühne auf. Ihr Signal wird dann in die Monitorwege gemischt und erzeugt so zumindest einen einigermaßen natürlichen Bühneneindruck.
  5. Durch die fehlenden Monitorstacks wird weniger tieffrequenter Schall auf die Bretter die die Welt bedeuten übertragen. Dies führt zu einem verminderten körperlichen "Fühlen" des Sounds. Hier kann zumindest beim Drummer ein Bass Shaker gewisse Abhilfe schaffen.



4. In-Ear Monitoring Zubehör

4.1. Bass Shaker

Ein IEM Nutzer hat keine großen Monitorstacks mehr am Schlagzeug stehen. Die schönen Vibrationen, die eine 15" oder gar 18" Monitorbox an den Bühnenboden oder die Drumriser abgibt, machen die Musik für den Drummer spürbar. Für so manchen Schlagzeuger ist dies ein Teil der Musik und er braucht es, um sich beim trommeln wohl zu fühlen. Dies fehlt dem IEM Nutzer natürlich, was auch der Grund dafür ist, daß sich viele Drummer nach wie vor scheuen In Ear Monitoring zu nutzen. Gerade am Schlagzeug ist IEM aber eine sehr gute Sache, wenn man auch im Alter noch was hören will.

Ein Shaker schafft Abhilfe :

Er ist eine kleine Kiste, die man sich unter seinen Drum-Hocker schraubt. Diese wandelt mit Hilfe einer Endstufe ein vom Bass Drum Mikro abgezweigtes Signal in Vibrationen um. Jedesmal wenn man die Bass Drum tritt fängt der Hintern schön an zu vibrieren ;-).
Ist etwas gewöhnungsbedürftig, macht aber das spielen mit IEM tatsächlich etwas unsteriler.

Zwei bekannte Modelle sind der BassPump und der Buttkicker von Fischer Amps

 

5. Sparvariante für Drummer mit dünnem Geldbeutel

geschlossener KopfhörerDa ein Schlagzeuger ohnehin durch sein Instrument ortsgebunden ist, kann man sich, wenn man auf die Anschaffung es teuren Funk-In-Ear Systems verzichten möchte, diese Ortsgebundenheit zu Nutze machen. Es reicht nämlich auch eine kabelgebundene Variante.

Man kauft sich einfach eine kleines Mischpult (4 Kanäle sollten dicke reichen). Diese sind mittlerweile für unter 50 € zu haben. Auf dieses läßt man sich per pre-fader-AUX-Weg vom Frontmischpult alle gewünschten Signale als Summe schicken. Diese Signalsumme legt man auf einen der Kanäle des kleinen Monitorpultes.

Ihr habt dann immer noch einige Kanäle frei, über die Ihr z.B. euren Klick einspielen könnt.

An den Phones-Ausgang des Mischpultes schließt ihr entweder einen geschlossenen Kopfhörer (wie z.B. den Vic Firth SIH 1) oder aber einen In-Ear Hörer an.

Voilà :  Man hat im günstigsten Fall für unter 100 Euro einen Monitormix direkt am oder im Ohr, dessen Lautstärke man sich auch noch selber regeln kann.

 

 

6. Mein Fazit zum In-Ear Monitoring

Ich selber habe mich für In-Ear Monitoring entschieden, da die Vorteile meiner Meinung nach den Nachteilen überwiegen. Hiermit bin ich bis jetzt sehr zufrieden, obwohl ich ein eher günstiges System verwende.
Am besten ist es beim Musikhändler Eures Vertrauens mal etwas mit IEM herum zu probieren. Entscheiden muß nämlich jeder für sich selbst. Und dies nicht zuletzt weil ein In-Ear System ein ganz schönes Loch in die Bandkassen reißen kann.