ein Schlagzeug für einen Anfänger

...zu finden ist eine schwierige Angelegenheit. Deswegen ist dies eine der am meisten in Foren gestellte Fragen bezüglich des Schlagzeugspiels.

Auch wenn es DIE Antwort auf diese Frage nicht gibt, da oft die Preisvorstellungen des Anfängers (oder dessen Eltern) im krassen Kontrast zu den Ansprüchen an die Qualität stehen, will ich versuchen Euch einen Überblick über dies Thema zu verschaffen.

 

Inhalt

  1. Begriffsdefinition - Was ist ein "Schlagzeug für einen Anfänger"
  2. Die Frage nach der Holzsorte und dem Oberflächenfinish
  3. Die Frage nach dem Material der Snaredrum
  4. Was ist bei den einzelnen Komponenten zu beachten? Was ist brauchbar, was Schrott?
    4.1.   Hardware
    4.2.   Kessel der Toms und der Bassdrum
    4.3.   Snaredrum
    4.4.   Becken
  5. Kesselgrößen
  6. Zusammenfassung und Fazit

 

1. Begriffsdefinition - Was ist ein "Schlagzeug für einen Anfänger"

Betrachtet man verschiedene Musikvideos wird man feststellen, dass das was man landläufig unter einem Schlagzeug versteht bei jedem Drummer anders aussieht. Von minimalistischen Aufbauten bis hin zu infernalischen Riesensets ist dabei alles zu finden.

Sprich - es gibt keine allgemeingültige Definition wie ein Schlagzeug auszusehen hat, damit es ein Schlagzeug ist. Denn :

Das Schlagzeug, umgangssprachlich auch Drums (von engl. drum kit/drum set) genannt, ist eine Kombination verschiedener Schlaginstrumente.

(Quelle : http://de.wikipedia.org/wiki/Schlagzeug)

Foto eines Schalgzeuges

Ein Schlagzeug ist also erst mal nicht mehr, als eine Kombination / Zusammenstellung verschiedener perkussiver Instrumente.

Möchte man also einem Schlagzeuganfänger zu einem brauchbaren Instrument verhelfen, gilt es erst mal sich einen Überblick darüber zu verschaffen was ein Anfänger benötigt, um im Unterricht oder im Selbststudium mithalten und so seine Fertigkeiten optimal weiter entwickeln zu können.

Hier hat sich eine Art Quasi-Standard entwickelt, der einen in die Lage versetzt alle gängigen Stilrichtungen zumindest ansatzweise spielen zu können. Deswegen sind heute auch die meisten Schlagzeugbücher für Anfänger auf diesen Setaufbau ausgelegt.

Ein solches Schlagzeug setzt sich wie folgt zusammen (siehe auch Abbildung rechts) :

  • 1 * Bassdrum (inkl. Fußmaschine)
  • 1 * Snaredrum (inkl. Snareständer)
  • 3 * Toms (2 * Tom-Tom, 1 * Floor-Tom)
  • 1 * Hihat (inkl. der Hihatmaschine)
  • 1 * Crash Becken (inkl. Galgenständer)
  • 1 * Ride Becken (inkl. Ständer)

 

2. Die Frage nach der Holzsorte und dem Oberflächenfinish

Eine der ersten Fragen die sich einem auf der Suche nach dem passenden Anfänger-Schlagzeug stellen wird, ist die nach der Holzsorte aus der es gemacht sein soll. Hierbei gilt der Grundsatz, dass kein Holz das ideale für den Schlagzeugbau ist. Jede Sorte hat ihre eigenen Klangeigenschaften. Häufig anzutreffen sind  :

  • Ahorn (engl. maple),
  • Birke (engl. birch),
  • Linde,
  • Mahagoni und
  • Pappel

Aber auch andere Holzarten wie Kirsche, Eiche, Buche etc. finden ihre Verwendung im Kesselbau.

Auf Grund ihres vorzüglichen Preis-/Leistungsverhältnisses sowie der klanglichen Universalität erfreuen sich im Bereich der günstigen Schlagzeuge vor allem Pappel und Linde sowie Ahorn großer Beliebtheit.

 

Die zweite Frage bezüglich des Holzes ist die der Verarbeitung. Hier haben sich im Laufe der Zeit zwei verfahren etabliert :

  • Kessel aus Vollholz und
  • Kessel aus laminiertem (in Schichten verklebtem) Holz

Speziell im Bereich der günstigen Schlagzeuge (aber auch immer mehr bei den hochwertigen) hat sich das laminierte Holz wegen seiner günstigen und reproduzierbaren Produktionsweise mittlerweile durchgesetzt, so dass sich diese Frage bei anstehender Anschaffung eines Anfängersets kaum stellen wird.
Laminiertes Holz oder Vollholz ist somit keine Frage der Qualität, denn ein gut laminierter Kessel dürfte in Sachen Klangeigenschaften, Qualität und Haltbarkeit dem Vollholzmodell in nichts mehr nachstehen.

 

Letztlich unterschieden sich Schlagzeugkessel noch dem Oberflächenfinish nach. Drei mögliche Optionen sind hier verfügbar :

  • beklebte / folierte Kessel
  • lackierte Kessel
  • Naturholz Finish

Bei den Einsteigermodellen dominieren die beklebten / folierten Kessel.

 

3. Die Frage nach dem Material der Snaredrum

Snare Drums werden aus den verschiedensten Materialien gefertigt. Einige häufig verwendete :

  • Stahl,
  • Aluminium,
  • Bronze,
  • Messing,
  • Kupfer sowie
  • die verschiedensten Holzsorten.

Die Pros und Contras der einzelnen zu erörtern wäre mehr, als dieser Leitfaden leisten kann und soll. Sehr grob zusammenfassend kann man nur sagen, dass Holzsnares meist wärmer und voller im Gegensatz zu den eher präsenten und knackigen Metallsnares klingen.

Im Sektor der Anfänger-Schlagzeuge wird man vermehrt auf die günstig produzierbaren Stahlsnares und solche aus den eher günstigen Holzsorten (Pappel, Linde, ...) treffen.
Eine generelle Aussage über deren Qualität maße ich mir nicht an - es sollte nur jedem gesagt sein, dass eine wirklich gute Snaredrum schnell viele hundert Euro kostet, was einen gewissen Rückschluss auf die Qualität einer 50 Euro teuren Snaredrum zulässt.

 

4. Was ist bei den einzelnen Komponenten zu beachten? Was ist brauchbar, was Schrott?

4.1. Hardware

Die Hardware ist ein viel unterschätzter Aspekt des Schlagzeugkaufes. Was oft stiefmütterlich außer Acht gelassen wird, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Spielbarkeit des Foto eines doppelstrebig ausgelegten Beckenstativfußesgesamten Schlagzeuges.

Für Beckenständer (ob Galgen oder einfach) gilt

  • Die Füße sollten immer - auch bei günstigen Sets - doppelstrebig ausgelegt sein (siehe Abbildung).
  • Die Rohre sollten möglichst massiv wirken.
  • Die Stellen an denen die Rohre ineinander gleiten sollten sauber verabeitet und die hier verwendete Mechanik möglichst solide sein. Im Idealfall sind Memory Clamps vorhanden.
  • Bei Galgenstativen sollte das Gelenk welches den Galgen auf der senkrechten Stange fixiert gut gearbeitet sein.

 

Für die Hihatmaschine gilt :

  • alles was auch für Beckenständer gilt.
  • Man sollte unbedingt auf die Befestigung des Kettenzuges achten der das Pedal mit der im Rohr gleitenden Stange verbindet. Ich habe schon Billlig-Hihat-Maschinen gesehen, bei denen diese schlicht und einfach auseinander gefallen ist. Diese Verbindung ist bedingt durch die Tatsache, dass das Hihat mit dem Fuß gespielt wird besonderer Belastung ausgesetzt.
  • Auch eine bekannte Schwachstelle bei Hihatmaschinen ist die Klammer / Mechanik / Klemme die das obere Becken an der Stange fixiert. Schlechte Varianten halten das Becken nicht zuverlässig an der Stange.

 

Für die Fußmaschine der Bassdrum gilt :

  • im Grunde alles was auch für die Hihatmaschine gilt.
  • Besonderes Augenmerk sollte ebenfalls auf die Kettenzüge, die Umlenkrolle und die mechanisch-beweglichen Teile gelegt werden.

 

4.2. Kessel der Toms und der Bassdrum

Wie unter "Die Frage nach der Holzsorte und dem Oberflächenfinish" nachzulesen ist, landet man im Einsteiger-Schlagzeug-Sektor bei der Kesselwahl meistens bei folierten laminierten Kesseln aus einer der günstigeren Holzarten. Die Qualität der Kessel lässt sich an folgenden Kriterien beurteilen :

  • Die Beklebung / Folierung : Die Folie sollte blasenfrei aufgeklebt sein. Interessant ist auch, ob sie an den Kanten des Kessel und an der Überlappung zuverlässig klebt oder sich abzulösen droht.
  • Kesselgratung : Die Gratung eines guten Kessels sollte sehr gleichmäßig und frei von "Macken" sein. Die Gratung hat einen enormen Einfluss auf den Klang des Schlagzeugs.
    Hilfreich ist es hier einfach mal mit dem Finger an der Gratung entlang zu fahren. Schlechte Verarbeitung kann man so regelrecht fühlen.
  • Spannböckchen : Auch hier kann man schlechte von guten Kesseln unterscheiden. Je solider und zuverlässiger diese Böckchen und die Stimmschrauben sind, desto besser und stabiler lässt sich eine Trommel stimmen.
  • Aufhängung : die Aufhängung der Tom-Toms muss einer besonderen mechanischen Belastung standhalten können. Deswegen sollte man auch hier Wert auf Stabilität legen. Wenn möglich sollte man auf Grund der akustischen Eigenschaften zu Modellen greifen, die auf Bohrungen im Kessel verzichten. Denn auch im günstigen Sektor der Einsteiger-Schlagzeuge finden immer häufiger R.I.M.S-artige Aufhängungen Verwendung.

 

4.3. Snare Drum

Unter Beachtung des Materials und neben den Kriterien die auch für die Kessel der Toms und Bassdrum gelten sollte bei der Snare Drum auf folgendes geachtet werden :

  • Abhebung : der Teil der eine Snare zu einer Snare macht ist der Snareteppich. Dieser wird von einer Mechanik der so genannten Abhebung an das Resonanzfell gedrückt. Der Abhebung sollte also besondere Aufmerksamkeit gelten. Wirkt diese wackelig und hat Spiel in Richtungen außer der gewünschten sollte man sich den Kauf gut überlegen. Denn eine schlechte Abhebung kann sich in vielerlei Weise negativ auf den Sound der Snare (z.B. einem nervigen Nachklingen des Teppichs) auswirken.

 

4.4. Becken

Aus bitterer Erfahrung weiß ich zu diesem Thema zu berichten, dass es häufig Schrott zu den Komplett-Schlagzeugen dazu gibt. Ich würde daher dazu raten ein Schlagzeug ohne Becken zu kaufen. Im Musikgeschäft seines Vertrauens kann man sich nach einer Beratung mit dem dadurch gesparten Geld mit ziemlicher Sicherheit etwas besseres kaufen.
Speziell bei den Hihat-Becken halte ich dies für ratsam, da sich hier qualitativ hochwertige Becken auch sehr positiv auf das Spielgefühl und die Technik auswirken.

 

5. Kesselgrößen

Wie auch das Material hat die Größe der Kessel einen enormen Einfluss auf den Sound, den das Schlagzeug von sich gibt. Da auch hier die Vielzahl der Möglichkeiten so groß ist, dass es nicht Zweck dieses Leitfadens ist sie zu klären, nenne ich zwei beispielhafte und gängige Kesselsets :

Variante 1 :

  • Snaredrum 14"
  • Tom-Tom 10"
  • Tom-Tom 12"
  • Tom-Tom 14"
  • Bass-Drum 20"

 

Variante 2:

  • Snaredrum 14"
  • Tom-Tom 12"
  • Tom-Tom 13"
  • Tom-Tom 16"
  • Bass-Drum 22"

 

Aus meiner Sicht ist die erste Variante dieser beiden zu bevorzugen. Grund dafür ist , dass die verhältnismäßig kleine 20" Bassdrum einen deutlich flexibleren und ergonomisch sinnvolleren Aufbau ermöglicht. Dies ist besonders bei jungen Schlagzeugern wichtig die ihre volle Körpergröße noch nicht erreicht haben.

 

6. Zusammenfassung und Fazit

Möchte man alle hier erwähnten Kriterien berücksichtigen und auch in der Einsteigerschlagzeug-Liga keine zu großen Kompromisse eingehen, muß man sich eines vor Augen führen :

Ein gutes (im Sinne von brauchbares, akzeptabel verarbeitetes, gut klingendes und auch im Fortgeschrittenenstadium noch zu gebrauchendes) und neues Anfänger-Schlagzeug ist nicht für 150 € zu haben. Nein...auch nicht für 250€.

Als Richtwert für ein akzeptables Set inklusive Hardware und Becken sollte man sich auf 500€ plus x einstellen. Berücksichtigt man mit diesem Budget dann die o.g. Tips sollte man im Endeffekt ein Schlagzeug bekommen, das einem auch noch Freude bereiten wird wenn man das Anfängerstadium hinter sich gelassen hat.