Drumstick-Guide

Jazzbesen + Drumsticks

 

Drumsticks...ohne diese recht einfachen, aber wichtigen Gegenstände geht am Schlagzeug kaum etwas.
Gerade Anfänger stehen aber oft vor der Qual der Wahl wenn sie vor dem Dschungel aus verfügbaren Stick Modellen stehen. Ohne Hilfe ist der eine oder andere Fehlkauf da fast vorprogrammiert.

Deswegen habe ich hier einen Leitfaden erstellt, der Euch Eure Suche nach dem perfekten Stick erleichtern soll.



 

Inhalt

  1. Materialien
    1.1.   Holz
       1.1.1.   Hickory (Nussholz)
       1.1.2.   Maple (Ahorn)
       1.1.3.   Oak (Eiche)
       1.1.4.   Rosewood (Rosenholz)
       1.1.5.   Weißbuche (Hainbuche, Hagebuche)
    1.2.   Carbon / Kunststoff
    1.3.   Aluminium
  2. Spitzenform
    2.1.   runde Form (ball)
    2.2.   Oliven- oder Teardrop-Form
    2.3.   Faß Form (barrel)
    2.4.   Eichel (acorn)
  3. Länge und Durchmesser
  4. Modellbezeichnungen (z.B. 5b, 7a, ...)
    4.1.   "klassische" Bezeichnung
       4.1.1.    Die Zahl
       4.1.2.    Der Buchstabe
    4.2.   die Pro Mark Bezeichnungen
  5. Sonderformen
    5.1.   Jazzbesen
    5.2.   Rods
    5.3.   Mallets

1. Drumsticks - Materialien

1.1. Holz

1.1.1. Hickory (Nussholz)

Dichte ~ 820 kg/m3

Hickory ist das am meisten verwendete Holz für die Herstellung von Drumsticks.
Es hat eine ideale Dichte für diesen Zweck.
Die Holzdichte definiert das Verhältniss zwischen der Masse und dem Volumen eines Sticks.
Es ist bei Hickory also möglich einen verhältnismäßig "starken" aber leichten Stick zu bauen. Weiterhin ist die Beständigkeit der Hickory Sticks durch die Härte des Holzes sehr gut, was die Lebensdauer der Sticks erhöht.
 

1.1.2. Maple (Ahorn)

Dichte ~ 620 kg/m3 - 675 kg/m3

Ahorn besitzt im Vergleich zum Hickory eine geringere Dichte. Deswegen sind Ahorn Sticks bei gleicher Stickgröße wesentlich leichter als ihre Hickory-Kollegen.
Dieses macht sie zum perfekten Stick für Drummer die leichtes Arbeitsgerät brauchen um ein sehr schnelles Spiel durch den schnelleren Rebound zu ermöglichen.
Nachteil ist die geringere Haltbarkeit die einen Maple Stick meist schneller ableben läßt als eine Hickory Stick.
 

1.1.3. Oak (Eiche)

Dichte ~ 657 kg/m3 - 976 kg/m3

Auf Grund seiner hohe Dichte sind Eichensticks verhältnismäßig schwer. Sie eignen sich besonders für Drummer deren Schlag hart ist und somit hohe Anforderungen an das Material und dessen Haltbarkeit stellt,  denn die Lebensdauer von Eichensticks ist nahezu unerreicht.
 

1.1.4. Rosewood (Rosenholz)

Dichte ~ 709 kg/m3 - 780 kg/m3

Rosenholz-Sticks ähneln in ihren Eigenschaften den Eichensticks. Das Holz ist sehr Dicht und hart, was das Gewicht der Sticks hochtreibt aber auch ihre Haltbarkeit im Vergleich zu anderen Holzarten zu einem echten Argument macht.

 

1.1.5.   Weißbuche (Hainbuche, Hagebuche)

Dichte ~ 690 kg/m3 - 950 kg/m3

Das Hartholz der Weißbuche ist wegen seines gleichmäßigen Aufbaus und seiner hervorragenden Stabilität wie für den Stickbau gemacht. Ähnlich Hickory (Nussholz) hat das Holz der Weißbuche eine sehr hohe Dichte, was ihm extrem robuste Eigenschaften verleiht.

 

1.2. Carbon / Kunststoff

Mittlerweile gibt es sogar Sticks die nicht aus Holz sondern aus Kunststoffen bestehen. Ich werde hier die verschienden Arten kurz beschreiben.

Erst kürzlich hatte ich Sticks in der Hand die aus Plastik (ja, richtig...PLASTIK!!!!) bestanden. Sie waren als kleiner Bonus bei einem Billig-Set dabei, das ein Bekannter für seinen Sohn gekauft hat. Diese habe ich auf einem Mittelklasse-Set der Firma Sonor (am Set lag es also Definitiv nicht) angestestet . Als Konsequenz möchte ich hier nicht weiter darüber sprechen. Die Dinger waren schlicht und ergreifend nicht zu gebrauchen.

Andere Kunststoff-Sticks bestehen aus Carbonfasern. Diese habe einen deutlichen Vorteil den Holzsticks gegenüber : ihre enorme Haltbarkeit. Wer sich mit Werkstoffen etwas auskennt weiß, daß Carbon ein enorm stabiler Faser-Verbundwerkstoff ist. Dieses äußert sich darin, daß man Carbonsticks so gut wie nicht kaputt bekommen kann. Ihre Haltbarkeit übersteigt die von Holzsticks um ein vielfaches.
Und...erstaunlicherweise lassen sie sich sogar ganz gut spielen. Ich denke, daß ein Drummer der Sticks zu beherrschen weiß auch mit den Carbonstöcken gut klarkommen kann.
Fazit : Carbonsticks sind eine brauchbare Alternativ zu Holzsticks - besonders für diejenigen unter den Drummer, die das Material nicht schonen und auch mal etwas fester zuschlagen.
 

1.3. Aluminium

Aluminium Sticks sind im Verhältnis zu gleichförmigen Holzsticks ziemlich schwer. Also auch zum kräftigen spielen geeignet. Deswegen findet man sie wohl hauptsächlich bei Drummern aus den härteren Muiskgattungen.
Neben den extrem niedrigen Fertigungstoleranzen besteht ihr größter Vorteil in einer fast beispiellosen Haltbarkeit. Diese kann allerdings auch schnell zum Nachteil für den Rest des Equipment werden. Nämlich dann, wenn man dünne und leicht gefertigte Becken verwendet. Selbige können sich unter der Behandlung mit "Metallknüppeln" nämlich durchaus dazu entschliessen, wesentlich schneller als normal kaputt zu gehen - besonders wenn die Schlagtechnik des Drummers nicht gut ist.

Fazit : Hat man ausreichend strapazierfähige Becken, mag schwere Sticks und ist sich sicher, dass die Stickhaltung und Schlagtechnik gut ist, kann man durchaus mit Aluminium-Sticks spielen. Sie sind nahezu unverwüstlich.
Ich allerdings mag ihr Metall-Feeling nicht und spiele weiterhin am liebsten Holz.

2. Drumsticks - Spitzenform

2.1. runde Form (ball)

runde FomEine runde Stickspitze ist ideal um Becken mit ihr zu spielen. Der Sound des Beckens klingt durch die eher geringe Fläche die beim Anschlag auftrifft, definiert. Je größer der Tip desto lauter und durchsetzungsfähiger wird der der Sound bei gleicher Anschlagsstärke.
Außerdem ist sie ideal zum gleichmäßigen Spielen geeignet, da unabhängig vom Auftreffwinkel die auftreffende Fläche - und somit der entstehende Sound - immer nahezu gleich ist.
Somit dürfte die runde Spitze diejenige sein, die sich am besten für Anfänger eignet, die zunächst ihre Stickhaltung erarbeiten müssen aber dennoch einen gleichmäßigen Sound haben wollen.

2.2. Oliven- oder Teardrop-Form

Oliven- / TeardropformDiese Tip-Form ist vielseitiger als die runde Spitze. Allerdings muß sie wesentlich bewußter verwendet werden, da der Schlagwinkel über den entstehenden Sound entscheidet. Schlägt man im steilen Winkel auf das Becken / die Trommel ist die auftreffende Fläche sehr klein - der Sound wird "leise" und klar definiert. Führt man den Schlag in einem flachen Winkel aus, so trifft eine große Fläche auf das Fell oder Becken und der Sound wird dementsprechend lauter und durchsetzungsfähiger.
Alles in Allem ist diese Form also für Drummer zu empfehlen, die ihre Stickhaltung beherrschen und über bewußte Änderungen in der Verwendung der Sticks den Sound beeinflussen wollen.

2.3. Faß Form (barrel)

Barrel-FormSticks mit Barrel Tip sind vor allem vor allem für lautes, durchsetzungsfähiges Spiel gedacht. Möglich wird dies durch die größe der Fläche die bei Verwendung in einem flachen Schlagwinkel auf die trommel oder das Becken auftrifft.

 

2.4. Eichel (acorn)

Eichel Form (acorn)

 

3. Drumsticks - Länge und Durchmesser

Die Länge und der Durchmesser des idealen Sticks hängen stark von der Technik und Stickhaltung des Drummers ab.

Generell läßt sich nur sagen, daß der Durchmesser Auswirkung auf die Kontrollierbarkeit, den Rebound und nicht zuletzt auch auf die Haltbarkeit des Sticks hat. Weiterhin steigt mit der Dicke des Sticks die Menge an Schlag-Energie die der Stick aufnimmt und die somit nicht auf das Handgelenk des Drummers übertragen wird.

Kontrollierbarkeit (z.B. im Sinne von Stickbalance usw.) und auch der Rebound werden maßgeblich aber auch von der Sticklänge bestimmt.

Ich denke daß hier wie bei so vielen Dingen das Motto "probieren geht über studieren" gilt. Den für sich selber idealen Stick wird man ohnehin nur finden, indem man die vielfältigen Möglichkeiten die der Markt mittlerweile bietet ausprobiert und gegeneinander abwägt.

 4. Drumsticks - Modellbezeichnungen (z.B. 5b, 7a, ...)

(Quelle : http://www.pearldrum.com/2002_techspeak/drumsticks.asp )


Die klassischen Bezeichnungen für die Gruppierung von Drumsticks sehen z.B. so aus : 3s, 5a, 5b, 7a usw.
Je nach Hersteller können die Sticks die hinter diesen Bezeichnungen stecken etwas variieren, sind aber doch im Grunde gleich.
 

4.1. "klassische" Bezeichnung

4.1.1. Die Zahl

Die Ziffer in der Stickbezeichnung steht für den Umfang / Durchmesser des Sticks. Es gilt hierbei : je größer die Zahlenangabe, desto kleiner der Umfang - je kleiner die Zahlenangabe, desto größer der Umfang.

Beispiel : 5a haben einen größeren Durchmesser als 7a Sticks

Bei der Bewertung des Druchmessers muss allerdings auch der Buchstabe der Stickbezeichung hinzugezogen werden.
 

4.1.2. Der Buchstabe

Der Buchstabe hingegen gibt den ursprünglich für den Stick erdachten Verwendungszweck an :

"S" - Street Applications

Diese Sticks sind für den "Straßengebrauch" gedacht. Will sagen : für Drums Corps und Marching Bands. Sie sind die Sticks mit dem stärksten Durchmesser (der massivsten Ausführung), da sie auf Solidität und möglichst großes Volumen- und Soundprojektion ausgelegt sind.


"B" -  Band Applications

Die "B"-Sticks sind für den Bandgebrauch erfunden worden. Sie besitzen einen kleineren Durchmesser als die Street-Application-Sticks und sind damit leichter (besser ?!?) zu kontrollieren, haben aber trotzdem die notwendige Durchsetzungsfähigkeit um im Bandgefüge bestehen zu können. Da Band-Application Sticks das Mittelmaß der drei verfügbaren Grundmodelle sind, sind sie besonders für Anfänger zu empfehlen.


"A" -  Orchestra Applications

Wie der Name schon sagt : sie dienen dem Spiel in Orchestern in denen gegebenenfalls auch sehr leises und zurückhaltendes Spiel von Nöten ist. Sie besitzen von allen drei Modellen den geringsten Durchmesser.


Die Tatsache, daß das "A" für Orchester steht geht auf den ersten modernen industriellen Fertiger von Drumsticks die Familie Ludwig zurück .
 

4.2. die Pro Mark Bezeichnungen

Im Januar 2008 führten Pro Mark eine vereinfachte Einteilung der Stickmaße ein. In Anlehnung an die Kleidergrößen wurden die Sticks in S-XXL unterteilt. Eine etwaige Zuordnung der Pro-Mark-Größen zu den klassischen Bezeichungen habe ich Euch in eckigen Klammern hinter der jeweiligen Bezeichung dazu geschrieben.

GELB - Gr. S (Small) [7a]
Leichter Stock mit kleinem Durchmesser (ab 12mm)

GRÜN - Gr. M (Medium) [5a]
Mittleres Gewicht und Durchmesser (ab 14 mm)

BLAU - Gr. L (Large) [5b]
Schwerer Stock mit großem Durchmesser (ab 15mm)

LILA - Gr. XL (Extra Large) [2b]
Extra schwerer Stock mit großem Durchmesser (ab 16m)

ROT - Gr. XXL (Double Extra Large) [3s]
Schwerer und dicker Stock für kräftigen Sound (ab 17mm)

[Quelle : http://db.musik-meinl.de/]

5. Drumsticks - Sonderformen

5.1. Jazzbesen

Wie der Name schon sagt finden Jazzbesen vor allem im Jazz Verwendung. Benutzt werden sie entweder für die typischen "Wischtechniken" oder aber wie konventionelle Sticks, um zum Beispiel Becken besonders zurückhaltend und leise zu spielen.
Prinzipiell sind alle Jazzbesen gleich aufgebaut sie bestehen aus einem Schaft, aus dem (meist zum Transport im Schaft versenkbare) "Borsten" ragen. Diese machen auch den Sound der Besen aus.
Die feinen Unterschiede bei den verschiedenen Modellen liegen im Durchmesser und dem Material der Borsten. Diese Faktoren haben natürlich einen starken Einfluß auf den entstehenden Sound und das Spielgefühl hat.

Prinzipiell gilt also auch für Besen, daß man den für sich und seine Technik idealen wohl nur finden kann, indem man viele verschiedene ausprobiert.
 

5.2. Rods

Die Namen für diese Art von Sticks sind vielfältig. Das erste Modell dieser Art das ich gespielt habe waren Hot-Rods. Also nenne ich sie im folgenden Rods.
Rods versuchen die Vorteile von Jazzbesen und herkömmlichen Sticks zu verbinden. Man soll mit ihnen zurückhaltend und leise (wie mit Jazzbesen) spielen und ein dabei das Spielgefühl von Sticks geniessen können.

Aufgebaut sind Rods alle ähnlich : eine Menge dünner Stäbe (aus Holz, Carbon, Kunststoff, usw.) werden gebündelt und mit einem stabilen Tape in Form gehalten.
Wie auch bei den Jazzbesen variieren die verschiedenen Modelle in Material und Form der Einzelstäbe. Bei einigen ist eine dickerer Stab in der Mitte des Bündels eingelegt, um den "Stickgefühl" näherzukommen.

Ich halte Rods für eine tolle Sache um beispielsweise bei Balladen eine Beckenfigur extrem hintergründig spielen zu können. Weiterhin können sie bei lärmempfindlichen Nachbarn einem Drummer und dem Nachbarn das Leben leichter machen. Nachteile sehe ich in der Haltbarkeit einiger Modelle und im Spielgefühl, das meiner Meinung nach nicht das von Sticks erreicht und somit eher als eigenständig angesehen werden sollte.
 

5.3. Mallets

Mallets (wörtlich übersetzt = Schlegel) gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Ihr Aufbau ist aber meistens gleich : ein (Holz-) Stab mit einem aufgesetzten "Schlagkopf". Der Kopf besteht je nach Modell aus verschieden Holz-, Stoff- oder Kunststoffarten. Oft ist er mit Filz oder Stoff überzogen.
Mallets dienen dem Spiel von z.B. Pauken, Xylophonen oder anderen perkussiven Instrumenten, können aber auch sehr effektvoll auf dem "normalen" Schlagzeug eingesetzt werden. Beispielsweise kann man schöne Effekte auf den Becken erzielen, wenn man ihren Klang mit Mallets an- und abschwellen läßt.